Lagerfugen sind spezielle Fugen in Bauwerken, die insbesondere an den Übergängen zwischen verschiedenen Bauteilen oder Materialien vorgesehen sind. Sie dienen dazu, Bewegungen und Setzungen der Bauteile gegeneinander zu ermöglichen, ohne dass es zu Spannungen, Rissen oder anderen Schäden kommt. I

m Bereich des Mauerwerks bezeichnet die Lagerfuge den vermörtelten horizontalen Zwischenraum zwischen übereinander liegenden Mauersteinschichten.

Hauptgründe weshalb Lagerfugen angelegt bzw. eingebaut werden

Ausgleich von Setzungen: Verschiedene Teile eines Bauwerks können unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell absinken oder sich setzen. Lagerfugen ermöglichen diesen Bewegungen Raum, ohne dass die Bauteile beschädigt werden.

Trennung von Bauteilen: In vielen Bauwerken ist es notwendig, bestimmte Bauteile voneinander zu trennen, um Bewegungen unabhängig voneinander zu ermöglichen. Dies kann bei Übergängen zwischen Fundamenten und aufgehenden Wänden oder zwischen verschiedenen Stockwerken der Fall sein.

Vermeidung von Spannungsrissen: Durch Temperaturänderungen, Feuchtigkeitsschwankungen oder mechanische Belastungen können in Bauteilen Spannungen entstehen. Sie helfen, diese Spannungen abzubauen, indem sie eine Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Schallschutz: Lagerfugen können auch dazu beitragen, Schallübertragungen zu reduzieren, indem sie Bauteile akustisch voneinander trennen.

Anwendungsbeispiele

Fundamente und aufgehende Wände: Lagerfugen werden oft zwischen Fundamenten und den darauf aufbauenden Wänden eingebaut, um Setzungsdifferenzen auszugleichen.

Stockwerksübergänge: In mehrstöckigen Gebäuden ermöglichen sie die unabhängige Bewegung der einzelnen Stockwerke, was insbesondere bei großen Bauwerken wichtig ist.

Anschlüsse von Gebäudeteilen: Bei Anbauten oder Erweiterungen eines bestehenden Gebäudes werden Lagerfugen verwendet, um Bewegungen zwischen dem alten und dem neuen Teil zu ermöglichen.

Fassaden und Decken: An den Übergängen von Fassaden zu Decken oder an Fenstern und Türen können Lagerfugen Bewegungen aufnehmen und Risse verhindern.

Lagerfuge im Mauerwerk: Bei gemauerten Wänden oder Klinkerfassaden befinden diese sich  horizontal zwischen den Mauersteinschichten. Die Dicke bzw. Schichtstärke der Lagerfugen richtet sich nach der gewählten Steinarten, Größe und Mörtelart. Bei großformatigen Hochlochziegeln in Normalmauermörtel haben Lagerfugen in der Regel eine Stärke von 12 mm, bei Plansteinmauerwerk (häufig als KS-Stein ausgeführt) in Dünnbettmörtel nur 1 bis 3 mm dick. Steinhöhe und Lagerfugendicke ergeben das Schichtmaß ausgehend vom fertigen Zustand

Unterschied zu Dehnungsfugen

Während Dehnungsfugen hauptsächlich dazu dienen, thermische Ausdehnungen und Schrumpfungen zu kompensieren, sind Lagerfugen vor allem für das Aufnehmen von Setzungen und Bewegungen an den Übergängen zwischen verschiedenen Bauteilen verantwortlich. Beide Fugenarten tragen wesentlich zur Langlebigkeit und Sicherheit von Bauwerken bei, indem sie Bewegungen und Spannungen ausgleichen.