DIN 1054 beschreibt die Regeln für Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau und dient als Grundlage für die Bemessung von Bauwerken. Sie folgt dem semiprobabilistischen Sicherheitskonzept und verwendet Teilsicherheitsfaktoren, um unterschiedliche Einwirkungen und Materialwiderstände angemessen zu berücksichtigen.

Die Norm unterscheidet zwischen den Nachweisen der Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und der Dauerhaftigkeit von Bauwerken. Für die Standsicherheit werden charakteristische Werte für Bodenparameter und Lasten herangezogen, die mithilfe von geotechnischen Untersuchungen ermittelt werden. Die Berechnungen umfassen den Tragwiderstand des Bodens sowie die Einwirkungen durch Bauwerkslasten und externe Kräfte.

Die Norm teilt die Sicherheitsnachweise in die Grenzzustände der Tragfähigkeit (GZT) und der Gebrauchstauglichkeit (GZG) ein. Im GZT-Nachweis wird überprüft, ob der Boden und das Fundament die auftretenden Kräfte aufnehmen können, ohne zu versagen. Der GZG-Nachweis stellt sicher, dass Verformungen des Bauwerks, wie Setzungen, in einem akzeptablen Rahmen bleiben und die Funktion nicht beeinträchtigen.

Ein wichtiger Bestandteil der Norm ist die Einteilung der Böden in verschiedene Kategorien, die auf deren Tragfähigkeit und Verformungsverhalten basieren. Für jede Kategorie gelten spezifische Bemessungsansätze, die Lastannahmen und Materialkennwerte berücksichtigen. Die Interaktion zwischen Bauwerk und Boden, beispielsweise bei Flach- oder Tiefgründungen, wird detailliert beschrieben.

Die Norm legt außerdem Wert auf die Einflüsse von Wasser, wie Auftrieb oder Erosion, die sorgfältig analysiert werden müssen. Der Schutz vor Böschungsbrüchen und die Sicherung von Baugruben werden ebenfalls behandelt, um Gefährdungen während der Bauausführung zu minimieren.

DIN 1054 liefert eine umfassende Grundlage für eine sichere und wirtschaftliche Planung sowie die Überprüfung geotechnischer Bauwerke, unabhängig von deren Komplexität oder Baugrundbedingungen.